sokratischer Dialog

Keine Tricks bitte

Selbstmanagement-Therapeuten verpflichten sich, Patienten auf keinen Fall mit irgendwelchen hinterlistigen Tricks zu etwas zu bringen, was Therapeuten wollen.

Einer dieser hinterhältigen Tricks besteht darin, das überlegene Fachwissen und die gelegentlich überlegene intellektuelle Leistungsfähigkeit oder den überlegenen Trainingszustand bei der Intelligenzleistung des Therapeuten einzusetzen, um Patienten durch gezielte Fragen in eine Situation zu bringen, in der sie der Meinung des Therapeuten nur noch zustimmen können. Manche Therapeuten nennen dieses Vorgehen sokratischer Dialog und verbrämen damit, dass sie eigentlich nichts anderes tun als jeder Versicherungsvertreter bei der vorbeugenden Einwandbehandlung.

Ich lebe nach wie vor in der Gewissheit, dass Patienten es über kurz oder lang immer merken, wenn sie manipuliert werden sollen.

Eine echte ergebnisoffene Diskussion ist vorzuziehen. Darauf wird im Buch auch mehrfach hingewiesen. Das Motivierende Interviewen (Miller & Rollnick) zeigt das Vorgehen für ergebnisoffene Diskussionen mit Patienten und die theoretischen Hintergründe. Herausragende Fachleute (wie z. B. Körkel) weisen auf die ethische Orientierung dieses Vorgehens hin.

Neu ist der verdeckte Versuch der Beeinflussung nicht: Fritz Reuter hat nicht nur Aus der Franzosenzeit Erinnerungen gesammelt, sondern auch die pädagogischen Anstrengungen seiner mecklenburgischen Zeitgenossen gewürdigt - scharfsichtig, aber nicht herabwürdigend.

An eine hochdeutsche Übersetzung habe ich mich bisher nicht heran getraut. Ich bedanke mich für jeden Hinweis auf eine Übertragung dieses Textes ins Hochdeutsche.

Im Fritz-Reuter-Museum in Stavenhagen kann man auch Tonträger erwerben; wenn ich solche Sachen höre, verstehe ich sie besser, als wenn ich sie lesen muss.

Allen viel Spaß, die halbwegs mit dem Plattdeutschen zurechtkommen.

Fritz Reuters sokratische Methode

Fritz Reuter
`Läuschen un Rimels`

 De Sokratische Method'

De Schaulrat Ix ut Ixenstein,
De süll de Schaulen mal nahseihn
Un kamm denn ok nah Ohserin
Tau den Schaulmeister Rosengräun.
Na, nu ward grot Examen sin.
De oll Schaulmeister hett in Nöten
Un sihr in Angst un Bangen seten!
Doch helpt't em nich, hei möt heran
Un wisen, wat hei lihren kann.
Dat deiht hei nu, un kolle Sweit
Deiht em von dat Gesicht 'raf lecken.
Denn wat hei sünst so prächtig weit,
Dat is hüt allens in de Hecken,
Un de verdammten Jungs, de weiten nix,
Un unse gaud Herr Schaulrat Ix,
De sitt so vornehm un so still
In sinen Lehnstaul achteräwer leggt,
As wenn hei all'ns sick marken will,
Wat hir vör dummes Tüg ward seggt.
Doch gung dat beter, as hei dacht,
Denn de Herr Schaulrat hadd vergangen Nacht
Ganz prächtig rauht,
Ok gaud verdaut,
Sin Unnerliw was in de Reih,
Un frühstückt hadd hei hüt vör twei.
Hei seggt denn also blot: »Mein lieber Freund,
Sie unterrichten noch nach alter Mode,
Warum nicht nach Sokratischer Methode?«
»Ich weiß nich, woans diese seind«,
Seggt Rosengräun, »wenn Sie's mich weisen wollen,
Denn will ich gerne Schul nah hollen.«
»Nichts leichter ist als das.
Komm her, mein Sohn, und sag mal, was
Ist das wohl für ein kleines Flüßchen,
Das dicht hier fließt am Dorf vorbei?
Nun, nun! Besinne dich ein bißchen!
Du weißt es nicht? – Nur keine Scheu!
Nun sag mal, wenn man Böses hat getan
Was muß man später dafür leiden?
Du, meine Tochter! Bu – Bu? Wer weiß es von euch beiden?«
»Denn tun wir Buße«, seggt Fik Thran.
»Ganz richtig! Und statt ›Buße‹ sagt ihr ›Busse‹,
Denn habt den Namen ihr vom Flusse. –
In welchen Fluß fällt nun die Busse?
Nun, Kinder, nun! Besinnt euch wieder!
Was fällt wohl all's vom Himmel nieder?
Nun?« – »Regen.« – »Weiter!« – »Snei.« – »Was weiter?« – »Dak.«
»Was weiter sonst?« – »Ick weit't«, seggt Hanne Knak.
»Nun denn, mein Söhnchen?« – »Hagel.« – »Recht!
Und wenn ihr nun statt, ›Hagel‹, ›Havel‹ sprecht,
So habt ihr's ja heraus, ihr findet
Den Fluß, in den die Busse mündet.
Und nun die Havel! Sagt, wie ist ihr Lauf?
Und welcher Fluß nimmt wohl die Havel auf?
Nun? Nun? – Ihr werd't ihn sicher kennen.
Wer kann von euch den Fluß mir nennen? –
Nicht? – Nun, denn tret mal einer vor, ihr Lieben,
Damit ich auf den Weg ihm helfe.
Nun zähle mal!« – »Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben.«
»Nun, weiter!« – »Achte, neune, zehne, elfe.«
»Halt an! Statt, ›elfe‹ saget ihr nun ›Elbe‹;
Ihr seht, es ist beinah dasselbe. –
Nun aber...« – »Herr«, seggt Rosengräun,
»Dies Stück hätt ich Sie schon afseihn,
Das könnt ich auch. Wenn Sie das wollen,
Denn müggt ick woll 'ne Prauw afhollen.«
»Jawohl, jawohl, mein lieber Freund,
Das würd' mich ganz besonders freun.«
»Na, denn man zu!« seggt Rosengräun,
»Da wir nun bei der Elbe seind,
So woll'n wir sehn, wo selbe bleibt.
In's erst geht sie nach Hamborg ran,
Wo sie sehr starke Schiffohrt treibt
Un wo man wieder sehen kann,
Wie weise Gott es angerichtet hat,
Daß bei 'ner jeden großen Stadt
Ein großer Fluß fließt auch vorbei,
Damit die Schiffohrt möglich sei.
Nu sag' mich aber, Jochen Plasten,
Wo bleibt nu woll die Elbe nahsten,
Wo mündet sich die Elbe rein? –
Dat weißt du nich? – Na, Körling Heinz,
Komm du mal her, un zähl mal eins!«
»Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun,
Zehn, elf, zwölf...« – »Halt!« seggt Rosengräun,
»Wo mündet nun die Elbe rein?
Fällt keinen denn der Name ein? –
Nun, 's ist doch so'ne leichte Sach'!
Denkt doch bei ›zwölfe‹ etwas nach!
›Zwölf‹ – ›zwölfe‹! – Tut's euch überleggen! –
Seid ihr denn alle in den Däs'?
Das stehn sie nu, die Dämelkläs'!
Stats ›zwölfe‹ müßt ihr ›Nordsee‹ seggen.«

Motivierendes Interviewen, Prof. Dr. Joachim Körkel, Ethik und Behandlung von Alkoholkrankheiten, Dr. H. D. Voigt, Johanna-Odebrecht-Stiftung, Miller & Rollnick