Positionen

Im Studium wurde noch gealbert, wenn man zu einem Sachverhalt drei Autoren lesen würde, hätte man mindestens vier unterschiedliche Meinungen eingesammelt. Das würde nicht nur für die Psychologen gelten, spätestens seit Heisenberg müssten alle Wissenschaftler damit leben. Und im Übrigen seien Forschungsschwerpunkte nahezu immer Abbildungen von wirtschaftlichen Gegebenheiten.

Bei den Alkoholkrankheiten wird dieser Sachverhalt überdeutlich: bis zum höchstrichterlichen Entscheid 1968, dass die bis dahin als selbstverschuldet geschmähten Störungen nicht zu Lasten der gesetzlichen Versicherer behandelt werden müssten, herrschte Dürre in der Forschung. Nach dem Richterspruch explodierte das Wissen über Abhängigkeit. Natürlich war der forscherische Drang gespeist aus dem Ringen um Erkenntnis, was die Welt im Innersten zusammenhält. Aber es gab auch Geschäftsfelder für Firmen, Jobs für Mitarbeiter, regelmäßige Einkommen, Chancen auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und Mehrung von Ruhm und Ansehen.

So ist diese Welt eben. Hier herrschen außerparadiesische Zustände. Man könnte ja mal überschlagen, wieviel Geld ausgegeben wird für die Erforschung der Faltenbildung in der Gesichtshaut oder des Haarausfalls, um mit den Ergebnissen die Konsumenten der Industriestaaten zu beglücken. Und man könnte die Summe vergleichen mit derjenigen, die ausgegeben wird für die Bekämpfung von Malaria in Weltgegenden mit geringem Pro-Kopf-Einkommen.

Weil die Welt genauso ist wie sie ist, halte ich es für günstig, dass der Hintergrund offen gelegt wird, vor dem eine Meinung vertreten wird. Das gilt auch dann, wenn die Meinung wissenschaftliche Fundierung für sich in Anspruch nimmt. Weitere Positionen beziehungsweise Standpunkte sind willkommen. Der Unterzeichner einer Position sollte unbedingt identifizierbar sein.